Es ist mal wieder
Schützenfest bei uns
im Dorf. Im Grunde ist gegen rumballern ja
nichts Wenig einzuwenden, das ist immer noch besser als wenn die Jugend ihre Freizeit am PC verbringt und
böse Killerspiele spielt.
Im Grunde (ehrlich) ist das Geballer' auch das, was mich am wenigsten Stört. Viel nerviger ist das "drumherum".
Schon Tage vorher fegen die Leute die Strasse vor dem Haus, weil man ja ein gutes Bild abgeben will. Fahnen werden rausgehängt, es sind nicht die einzigen Fahnen, die während der Feierlichkeiten häufig anzutreffen sind. Das, was wortmalerisch als
gemütliches Beisammensein umschrieben wird, lässt sich -
nüchtern betrachtet (haha, welch schlechtes Wortspiel!) wie Folgt beschreiben: Die
Dorfgemeinschaft trifft sich an der Schützenhalle ("Ey, kommste auch
auffe Halle?"), aber weil es so schwer fällt, sich allzu lange gegenseitig zu ertragen, muss man sich natürlich die Kante geben.
Der Musikverein marschiert durch Dorf und weckt friedlebende Menschen mitten in der Nacht (OK, um 12:30 oder so) mit Blasmusik, die Leute finden endlich wieder Anlässe zum Lästern ("derundder war nicht da, dem scheint die Dorgemeinschaft auch nicht zu interessieren"), es gibt ein Kinderkarussell, eine Schießbude und triefige Bratwurst.
Das dann
Drei Tage lang. Dieses Jahr blies ich schon zum Gegenangriff, indem ich, als der Musikverein bei mir vorm Haus langmarschierte
Wenn es Abend wird aufdrehte. Vom Klang her ähnlich üblicher Schützenfestmusik, ist der Text doch ein wenig unpassend:
Wenn es Abend wird,
drunt am Alpensee,
und die Nacht rückt langsam näher.
Wenn die Lerche steigt
und die Sonne sinkt.
Ja, da wird mir dann mein kleines Herzerl schwer.
Und dann kehre ich
in eine Wirtschaft ein,
wo man ungestört noch sitzen kann.
Und dann trinke ich
ein kleines Glaserl Wein,
und dann schau' ich mir die lieben Leute an.
Da ist der Weichlinger
mit seinem BMW.
Der fährt auch,
wenn er besoffen ist.
Er hat keine Angst
um seinen Führerschein,
denn er selber ist ja hier der Polizist.
Und die Frau Wirtin
ist eine Witwe jetzt,
und sie führt die Wirtschaft ganz allein.
Denn der Wirt ging fremd
mit seiner schönsten Kuh,
und da schenkte sie ihm Zyankali ein.
Sieben Jahr ists her,
dass Franzens Vater starb,
Sieben Jahr sind eine lange Zeit.
Und jetzt sitzt er da
in seinem Jaguar,
denn der dicke Rentenscheck,
der kommt noch heut'.
Und die Heidelind
hat schon ihr drittes Kind.
Dabei ist sie gerad erst 17 Jahr.
Und die Kleinen sind alle mongoloid,
denn denn der Vater ist ihr lieber Herr Papa.
Da is mei Lehrerin,
der ich so dankbar bin,
weil ich heute schreiben und lesen kann.
Und in den Ferien,
da fährt sie nach Schwerin,
und da zünd sie Asylantenheime an.
Und der Herr Pfarrer
steht bei der Annegret,
und er lächelt stets so fromm und froh.
Und vor der Kommunion
steckt er den braven Buam
eine gottgeweihte Kerze in den Po.
Wenn es Abend wird
drunt am Alpensee,
und die Nacht
rückt langsam näher.
Wenn die Lerche steigt
und und ihr Lied erklingt.
Ja, da wird mir dann
mein kleines Herzerl schwer.
Joladahihi-dihidihudilö...
("Wenn es Abend wird", aus "
die Bestie in Menschengestalt", die Ärzte, 1993)
Ein Bekannter meinte dazu nur:
ist aber für Schützenfestblaskapellenmusik geschädigte Filzjackenträger zu ""subtil"".
Naja. Morgen (der Letzte Tag des diesjährigen Schützenfests) bin ich eh nicht da (Abschlussfeier) - ich werde das Schützenfest also hoffentlich überleben.
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