the computer for the rest of us?

Seit nunmehr 2 Monaten bin ich Apple-Nutzer und ich muss eine ernüchternde Feststellung mit euch teilen: Ein Mac ist auch nur ein PC. Sicher, das stylishe Betriebssystem mit vielen netten Spielereien ist ein Alleinstellungsmerkmal, das minimalistische Design eine Augenweide und die Akkulaufzeit ist für ein Gerät dieser Leistung auch sehr gut, aber auch Macs sind nicht frei von Schwächen. Kleinkram, wie, dass die Tastatur nach einer Woche bereits Abnutzungserscheinungen zeigte, dass das Netzteil jetzt schon zweimal einfach nicht mehr erkannt wurde (nach einem Neustart ging es dann glücklicherweise wieder) und dass ich 2 USB-Ports zu wenig finde (Was mich allerdings auch an meinem altem Notebook störte ;) ) ist zu verschmerzen bzw wahrscheinlich nicht der Normalfall (sollte ich ein Montagsgerät erwischt haben?), aber es fielen mir mehrere Dinge auf, positiv wie negativ; wobei mir die negativen mehr in Erinnerung blieben – schließlich werden Macs überall von fanboys Benutzern über den grünen Klee gelobt, so dass ich recht hohe Erwartungen hatte. Ob die Aussage ‘get a Macintosh‘ wirklich eine gute Antwort auf Computerprobleme ist?
Fangen wir mal an.

Tastatur

MacBook Pro.Als ich vor einiger Zeit ein wenig am Macbook Pro eines Freundes saß, empfand ich die Tastatur als schrecklich. Mittlerweile muss ich sagen, das Tippgefühl ist durchaus angenehm, die Beleuchtung ein sehr nettes “nice to have”-Feature (leider spiegelt sich im Dunkeln die beleuchtete Tastatur im Glossy-Bildschirm) und das alles ist “gar nicht mal so schlimm”, wenn natürlich auch nicht vergleichbar mit der Tastatur meines Uralt-Thinkpads (obwohl ich nicht weiß, ob ich nach der Umgewöhung auf die Mac-Tastatur damit jetzt auf Anhieb fließen zurecht käme). Auch das Design mag ich (mittlerweile sind Tastaturen in solcher Machart ja auch in Notebooks anderer Hersteller verbaut), allerdings zeigten sich, wie schon erwähnt, nach einer Woche durchaus Abnutzungserscheinungen. Ich weiß nicht, ob ich so ein heavy User bin, oder ob das Problem bei der Hardware liegt – meinen alten Laptop bekam ich gebraucht, ich kann also nicht sagen, nach welchem Zeitraum bei mir dort solche Sachen aufgetreten wären.

Touchpad

Für das Touchpad muss ich ein großes Lob aussprechen. Es lässt sich smooth bedienen, und an den Rechtsklick mit zwei Fingern gewöhnt man sich sehr schnell. Hierzu zu einem späterem Zeitpunkt noch ein (klein wenig) mehr.
Negativ fällt mir die hohe Feuchtigkeitsempfindlichkeit auf. Mit leicht feuchten oder schwitzigen Fingern bedient sich das Touchpad sehr hakelig, falls es überhaupt benutzbar ist – die Multitouchtechnologie fordert hier ihren Tribut.

Bildschirm

Auch dieser ist – auch und gerade im Vergleich zu meinem altem Laptop – sehr gut. Kontrastreich, knackige Farben, scharf. Wünschenswert wäre ein (optionales) höher auflösendes Modell, wie es beispielsweise jetzt das 13″ MacBook Air hat.
Den hohen Kontrast erkauft man sich natürlich dadurch, dass das Display spiegelt und es einen matten Bildschirm nicht mal gegen Aufpreis gibt (Zumindest nicht beim 13″-Modell). Damit kann ich allerdings (meistens) leben, allerdings ist der gesamte Bildschirm und der Bereich drumherum durch die vorgebaute Glasplatte sehr empfindlich gegenüber Fingerabdrücken.

Akku

Sehr gute Laufzeit, allerdings nicht offiziell vom Benutzer selbst zu wechseln (und angeblich sogar mit propietären Schrauben dagegen gesichert). Halt das Prinzip der totalen Verdongelung.

Hardware sonstiges

Ansonsten gibt es auf Hardwareseite (fast) nichts zu meckern. Das Teil ist angenehm schnell, Bluetooth ist an Bord, das MagSafe-Netzteil nett, allerdings musste letzteres nach ca. 6 Monaten aufgrund eines Kabelbruchs im Bereich des Steckers getauscht werden. Das scheint ein Defekt zu sein, der öfters auftritt, hier wäre es wünschenwert, wenn Apple die Konstruktion überarbeiten würde. Immerhin war der Kundendienst sehr freundlich und der Austausch unkompliziert, allerdings musste ich dafür einen AASP (Autorisierter Apple-Servicepartner) aufsuchen, was aufgrund der Tatsache dass ich im Sauerland lebe nicht so einfach war. Gravis in Dortmund war der AASP der Wahl (bzw. der Möglichkeit), dort wurde der Umtausch schnell und unbürokratisch durchgeführt.

Kommen wir zum wichtigstem, zu dem, was Macs wirklich unique macht (und ja, ich weiß, was Hackintosh ist):

das Betriebssystem

Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Microsoft Windows eines der meistunterschätzten Produkte der letzten Jahre ist. Trotzdem benutze ich auf dem Mac zu gefühlten 99% Mac OS X, obwohl ich Windows 7 parallel installiert habe. Wieso? Weil OS X naturgemäß gegenüber Windows einen großen Vorteil hat: Die sehr viel bessere Anpassung an die Hardware. Was wunder, ist Windows doch dafür entwickelt, auf möglichst vielen PCs (und Macs ;) ) zu laufen, Mac OS X aber nur für ein paar wenige, ausgewählte Konfigurationen. So fühlt sich alles ‘smoother’ an, mehr aus einem Guss. Die Akkulaufzeit unter OS X ist bei dem MacBook Pro sehr viel länger als unter Windows, Mehrfingertouchpadkommandos werden voll unterstützt (Unter Windows kommt mir selbst das zweifingerscrollen hakelig vor), es bootet schneller und die Treiber dürften naturgemäß stabiler sein (Obwohl ich auch unter Windows seit 4 Jahren oder so keine Probleme mit instabilen Treibern mehr hatte).
Schön und für mich praktikabel an OS X sind Kleinigkeiten, ein eingebauter Bildbetrachter für viele Formate inklusive PDF (Der Adobe Reader unter Windows spielt für mich in einer Liga mit beispielsweise dem RealPlayer, andererseits ist auch und gerade Apple-Software wie QuickTime und iTunes unter Windows eher ein Krampf) beispielsweise (auch wenn ich mir für ihn wünschen würde, mit Cursortasten durch die entsprechenden Dateien im Verzeichnis skippen zu können, so wie bei der Windows Bild- und Faxanzeige), schöne Fonts und schönes Fontrendering, Mausaktionen gelten für das Fenster, über dem sich die Maus befindet (so kann ich beispielsweise durch ein Wikipedia-Fenster im Hintergrund scrollen, ohne das Fenster auswählen zu müssen und dem Programm im Vordergrund den Fokus nehmen zu müsen), Spotlight (Auch wenn es ähnliches mittlerweile unter Windows gibt) und standardmäßiges PDF-Export (wobei ich nicht weiß, ob der im professionellem Umfeld brauchbar ist – Stichwort Druckvorstufe – aber für meine Belange langt es). iSync und generell der Zugriff auf Bluetooth-Geräte ist ebenfalls sehr komfortabel gelöst.

Jedoch fielen mir auch einige Dinge auf, die ich unter Windows durchaus besser fand.
Fangen wir mal an. Ich halte zunächst einmal das Dock für beschissen. Es sieht gut aus, aber nimmt in der vertikalen (wo aufgrund eines Breitbildschirms eh schon der Platz fehlt) relativ viel platz weg (Weswegen ich es kontinuierlich ausgeblendet habe und es jedesmal versehentlich einblende, wenn ich die Maus an den unteren Bildschirmrand führe) und zeigt mir nicht-minimierte Fenster im Hintergrund nicht an (weswegen ich regelmäßig zu Exposé greifen muss). Letzteres stört besonders, weil ich oft mit vielen offenen Fenstern hantiere. Die Taskleiste von Windows finde ich ungemein praktischer, auch gibt es dort ein Äquivalent zu Stacks, die mit Leopard als weltbewegende Neuheit eingeführt wurden – nämlich Symbolleisten. Und das seit Windows 95. (Na gut, seit Windows 95 mit Explorererweiterungen, aber wer wird so kleinlich sein?).
Der Finder ist nett, aber ich bin den Explorer gewöhnt, und freue mich manchmal über dessen Bevormundung. Er warnt mich, wenn ich viele Dateien öffnen will. Dass der Finder es nicht tut, merkte ich, als ich einmal versehentlich alle Ordner in ˜/Library/Mail/IMAPsoundso/Alle Nachrichten.imapbox/Attachments markierte, um zu schauen, wie groß sie sind, diese aber versehntlich öffnete. Die Response Time des Betriebssystems ließ danach sehr zu Wünschen übrig ;)

Die Programmverfügbarkeit ist eine Andere. Klar gibt es für den Mac sicherlich auch recht viel Software, aber ich bin es gewöhnt, für jeden Zweck unmengen Freeware hinterhergeschmissen zu kriegen, während es für den Mac weniger Free- und viel mehr Shareware zu geben scheint, was mir als armen Studenten natürlich nicht soo gelegen kommt. Beispiele? Für Windows nutze ich beispielsweise seit gut 3 Jahren diese Explorererweiterung, um im Explorer mit Tabs arbeiten zu können, was sehr viel Komfort im Umgang mit dem Computer hinzufügt. Für den Mac fand ich tatsächlich genau ein Programm, das dasselbe bewerkstelligt, dies sogar kostenlos, jedoch heißt es

Künftig will der Autor aber Geld für seine Arbeit verlangen. Die Lizenzkosten liegen jedoch noch nicht vor – der Kaufbutton ist aber jetzt schon in den Einstellungen zu finden. Die aktuellen Alphaversionen haben eine Laufzeit von zehn Tagen und müssen dann aktualisiert werden, damit sie weiterhin funktionieren.

Auf so etwas möchte ich mich nicht einlassen, sorry, schon wegen der begrenzten Laufzeit der Alphaversionen. Ich will hier auch dem Autoren keinen Vorwurf machen (und das war nur ein Beispiel), aber für mich als Endbenutzer ist so etwas schon entscheidend.
Wo wir bei Software sind: Unter Windows war/bin ich es gewohnt, dass die Versionsabhängigkeit relativ gering ist. Unter Windows xp beispielsweise gab es dann zwar irgendwann Programme, die $SERVICEPACKVERSION benötigten, aber dann war auch schon gut. Unter OS X allerdings… dazu komme ich später, dazu muss ich ausholen ;)

Mein Mac bootete nicht.Also, irgendwann wollte PhotoBooth nicht mehr starten und präsentierte mir nur diese Fehlermeldung. Eine Kleinigkeit, der ich mit der Standardmethode zu Leibe rücken versuchte.
Das allerdings nahm mir der Mac übel. Er fuhr normal herunter, dann aber nicht mehr rauf – unter dem Bootlogo wurde mir noch ein Ladesymbol angezeigt, das Betriebssystem fuhr allerdings nicht hoch. (Ja, ich habe das Bootlogo geändert, hiermit). Also von der OS X-DVD gebootet und das Festplattendienstprogramm ausgeführt. Dieses fand Fehler in den Berechtigungen, reparierte diese auch (keine Ahnung, wo die herkamen), ich startete neu und… nada. nix. Immer noch wollte der Mac nicht starten. Also System neu (drüber-) installiert. Nach einer gefühlten Stunde war das erledigt und der Rechner ging wieder – nicht aber alle Programme, schließlich war das System auf der DVD 10.6.3, das vorher installierte System durch Updates aber mittlerweile 10.6.6. Einige Programme beschwerten sich also: “mimimi, ich brauche mindestens 10.6.5 zum starten!”. Eine solch starke Versionsabhängigkeit kenne ich von Windows her nicht. Sollte ein Mac nicht den Umgang mit Computern leichter machen? Im Ernst, wenn ich mich mit Versionsabhängigkeiten rumschlagen will, kann ich doch gleich Linux installieren? Um mein System also wieder auf den aktuellen Stand zu bringen musste ich dementsprechend erstmal ein paar Gigabyte ziehen.
(Übrigens musste ich Windows schon seit ich meinen alten Computer habe nicht einmal neu installieren)

Auch soll die aufwärtskompatibilität nicht so gut sein wie unter Windows, jedenfalls hörte ich schon oft, dass es sich für Softwareentwickler manchmal als schwierig gestaltet, Programme zu schreiben, die unter 10.4 und unter 10.6 gleich gut laufen. Dazu kann ich allerdings nicht mehr sagen, das ist nicht mein Gebiet.
So, anderen Kleinkram wie das Codecmanagement oder das seltsame Verhalten des Vergrößerungsknopfes (Wieso wirkt er ausschließlich in iTunes anders? Konsistente Benutzerführung, anyone?) lasse ich mal außen vor, ich habe mich genug aufgeregt.

Bleibt zu sagen, dass der Mac auch nur ein PC ist. Ein schöner PC mit einem schönem, allerdings entgegen der Meinung der Fanboys nicht perfektem Betriebssystem.

Ein Wort noch zu den Mac-Usern bzw. Fanboys: Diese können manchmal durchaus penetrant sein, allerdings unterstützten sie mich sehr gut beim Umstieg, ein Dank hiermit nochmal an Eay, Rakaniaz, die hilfsbereiten Mitglieder des Macuser-Forums und an all diejenigen, die mir bei meinen schwierigkeiten behilflich waren.

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10 Responses to the computer for the rest of us?

  1. afriola says:

    deinem Testbericht und den Vor/Nachteilen, die du bei beiden Betriebsystemen & Hardware festgestellt hast, kann ich da auch nur zustimmen.

    Habe auch schon jahrelange Erfahrung auf beiden Betriebssystemen und durchs Studium arbeite ich eh parallel an beiden Systemen, aber diesen Fanboy-Hype um Apple kann ich nicht nachvollziehen. ich hatte mit den ganzen Apple-Produkten schon viel schlechte Erfahrung gesammelt und selbst Fachmänner in der Agentur in der ich war konnten bei manchen Apple-Fehlern auch nur mit den Schultern zucken und haben mich an einen anderen Apple gesetzt. Bei Windows kann ich die Fehler wenigstens schnell selbst beheben und manche kleinere Programme auch schnell selbst ummodifizieren und umschreiben.

    Das ist auch einer der Gründe, warum ich im endeffekt immer auf Windows für private Nutzung zurückgreife. Habe auch extra da drauf geachtet, dass mein Vaio den selben Monitor hat, wie die Apple-Produkte. Normale Notebook-Bildschirme sind wirklich ein Graus.

    Aber ein schöner neutraler Testbericht! kann diesen Hype um die bestimmte Marke einfach nicht nachvollziehen bzw könnte direkt abkotzen, wenn ich diesen “ist-eh-das-beste”-Unterton aus Berichten rauslese :D

    • Jeric says:

      Du bist eine Ausnahme, ich kenne sehr wenige Mac-User(innen), die so denken wie du – die meisten davon setzen ebenfalls privat Windows, auf der Arbeit Mac OS ein. Ich meine, diese kleinen Mängel würden mich nicht mal aufregen, ein Betriebssystem kann de facto nicht perfekt sein, aber wenn mir im Vorfeld die Fanboys immer erzählen, dass es das ist, dann haben sie halt unrecht. Und ja, die einfachere Fehlerbehebung unter Windows vergaß ich zu erwähnen.
      Zu deiner Aussage mit den Laptopbildschirmen: Da stimme ich dir dahingehend zu, dass ich jetzt, wo ich den Mac habe, erst merke, wie kontrastarm und flau mir der Bildschirm meines alten Laptops vorkommt.
      Danke, ich habe mich bemüht, neutral zu sein und keine der beiden Seiten zu schmähen, aber Seitenhiebe auf Fanboys/Fangirls müssen einfach sein. Ich mag deren Unterton ebensowenig wie du.

  2. lha says:

    Also wenn Du Dir so hardcore Sachen raufziehst wie dieser Boot-logo-changer, der in Bereiche schreibt, die man normalerweise nicht mal lesen sollte, brauchst Du Dich nicht wundern, wenn Du gelegentlich mal das System neu aufsetzen darfst.

    Mit der Versionsabhängigkeit, ja, das ist extrem beim MacOS. Ist halt eine andere Philosophie, dadurch kommen Änderungen schneller an und setzen sich schneller durch. Eine Alternative wäre ja, solche Dinge in Libraries auszulagern und darüber die Abhängigkeiten zu machen, wie etwa bei Windows, wo es zwanzig Versionen der .NET Runtime etc. gibt. Bei MacOS X hängt halt wirklich alles nur an der Systemversion. Wirkt etwas unkomfortabel, ist es aber dann gar nicht so.

    • Jeric says:

      Haha, das mit dem Bootlogo-Changer ist schon igendwie dümmlich, macht aber jetzt keine Probleme (und lief auch von Anfang an, seit ich den Mac hatte; der Systemtotalausfall kam nach… anderthalb Monaten oder so) . Andererseits – wenn ich auf dem Mac Probleme habe, höre ich so oft “Ja, da ist auch dasunddas Programm dran schuld”, während die selben Menschen hämisch grinsen, wenn ich mich zu Problemen mit meinem PC bzw. mit Windows äußere.
      Unter Windows hatte ich nie Probleme mit den .NET-Runtimes, trotzdem, ja, da ist durchaus was dran, an dem, was du schreibst. Viellicht muss ich ich mich nur an die andere Philopsophie gewöhnen.
      Außerdem bzw. dennoch ist OS X gerade im Vergleich mit OS < X ein phantastisches Betriebssytem!

  3. Babel says:

    i use a Mac because…. SHINY!!!!! :P

  4. ein heise-mac-user says:

    Dock nimmt zu viel Platz in der vertikalen weg? Dann verlager es doch nach links (oder rechts). System Preferences -> Dock -> Position: Links. Und dort braucht es sich dann auch nicht mehr ausblenden, weil recht schmal und Widescreen.
    Kenne einige mit einem 13″ Mac die das so bevorzugen.

    Bzgl. Finder und Tabs: Nun ja, wer ein wenig Geld ausgeben möchte, wird da mit Pathfinder vielleicht glücklich. Und wer eigentlich lieber den Norton oder Total Commander hat, für den ist muCommander ein Open Source-Trostpflaster.
    Ansonsten: Lerne die Navigation zwischen Fenstern einer Anwendung kennen und schätzen! Ist per Default auf der deutschen Tastatur etwas doof gelegen (laut http://support.apple.com/kb/HT1343?viewlocale=de_DE ist es “Befehlstaste-` (bei US-Tastatur: Accent Grave-Taste über der Tabulatortaste)”, lässt sich aber leicht umdefinieren in System Preferences -> Keyboard -> Keyboard Shortcuts, z.B. auf Cmd-§ (so dass es über Cmb-Tab liegt … und eben Cmd-Tab die Anwendung wechselt, Cmd-§ das Fenster einer Anwendung ohne die Anwendung zu wechseln; das ist nicht dasselbe wie Alt-Tab in Windows – dies wäre Ctrl-F4). Damit braucht man viel seltener Tabs, einfach mehr Finder-Fenster offen lassen und zwischen denen Wechseln. Und funktioniert nicht nur im Finder, sondern jeder Anwendung. Wer sich noch mehr Hilfe beim Fensterln wünscht, der sollte sich Witch.

    Generell zu Anwendungen: Ich vermute, mit den zwei Monaten Erfahrung unter OS X bist Du noch in einer Phase, bei der Du für alle möglichen Aufgaben daran denkst, wie Du Dir unter Windows immer zu Helfen gewusst hast durch die dort bekannten Tools – und die meisten davon gibt es unter OS X nicht oder bedienen sich dort grausam.
    Mac OS hatte jedoch seit jeher eine sehr umfassende Shareware-Szene und durch den Unix-Unterbau kommen inzwischen auch sehr viele Open Source-Anwendungen aus dem BSD- und Linux-Lager hinzu (mit MacPorts und Fink ein extrem reicher Fundus, wenn man eher auf der Kommandozeile und X11 zu Hause ist).
    Als “Switcher” hat man immer eine Zeit der Eingewöhnung, in der man eben nicht (mehr) immer gleich die besten Tools kennt. Und vielleicht gibt es in Summe auch für Windows mehr (gratis) Desktopanwendungen. Aber die Summe alleine macht die Sache noch nicht besser und für OS X gibt es ebenfalls sehr, sehr viele und sehr oft mit sehr viel liebe zum Detail gestaltete Anwendungen. Dauert halt nur ein bisschen, bis man die Perlen entdeckt.

    Zum Thema Photo Booth mag nicht, Reboot, nix geht mehr: Da war wohl nicht nur Photo Booth im Eimer, sondern das System zerschossen. Und dass mit 10.6.3 nicht alles lief, was mit 10.6.6 noch ging: OS X hat einen etwas anderen Release-Rhythmus als Windows. Ein Upgrade von 10.6.3 auf 10.6.6 ist vergleichbar mit Win XP SP1 auf Win Xp SP2 oder SP3. Und es gibt auch für Windows Anwendungen, welche ein spezielles Service Pack voraussetzen. Im Falle am Beispiel von 10.6.6 und dem damit eingeführten Mac App Store sowie CommerceKit Framework auch ziemlich verständlich: (gekaufte) Anwendungen nutzen CommerceKit um zu testen, ob der Store Receipt passt – sprich: ein rudimentäres DRM. Auf Rechnern ohne CommerceKit (also alle OS X Versionen = 10.4).
    Apple hat im großen und ganzen eine Recht gute “Hit Ratio” was seine Updates betrifft – die laufen meist problemlos und lösen mehr Probleme als sie neue schaffen. (Andererseits ist es auch recht üblich, dass man ein neues Major-Release nicht ab 10.x.0, sondern eher erst 10.x.2 produktiv einsetzen sollte – die 1-3 Monate sollte man dem System zum “reifen” geben und nicht gleich das neueste Einsetzen wollen.) Apple ist hier in gewisser Weise auch unter Druck, immer recht schnell nachzubessern: Da Apple selbst Hardware liefert und diese immer mit dem zum Herstellungszeitpunkt des Rechners aktuellsten OS ausgeliefert werden, kann es Apple sich kaum erlauben, dass gravierende Fehler lange ungefixt bleiben.
    In der Windows-Welt ist das (war das?) anders: Hier wird lange Zeit vom Hersteller nur das Major-Release geliefert und mitunter nach Erscheinen eines neuen Major-Releases auch noch das letzte mitgeliefert (z.B. weil niemand Vista wollte) – der aktuellste Service Pack ist oftmals gar nicht installiert. Zu Zeiten manchen Zeiten wäre das auch fatal gewesen (wie Windows-Admins wissen/immer wussten: even numbers are good but odd numbers are bad).

    Ein paar Dinge am Mac sind halt einfach anders. Bleibt man bei seinen (mitunter durchaus ausgeklügelten) Vorgehensweisen aus der Windows-Welt, dann kann der Mac kaum Vorteile bringen – nur eine ganze Reihe Nachteile, weil er sich nicht ganz wie erwartet verhält (den grünen “+”-Button klicken und erwarten, dass nun die Anwendung “maximiert” also den ganzen Bildschirm ausfüllen wird aber stattdessen verhält sich jede Anwendung so, wie es ihr passt, ist wohl das häufigst vorgefundene).
    Stattdessen fängt man halt doch erst mal wieder klein an. Und so können auch in Rubriken wie Mac 101 hin und wieder einem Neuling hilfreiche Tipps über den Weg laufen.

    Wünsche Dir jedenfalls viel Spaß mit Deinem Gerät.

    • Jeric says:

      Danke für den ausführlichen Kommentar. :) Ich antworte mal nacheinander auf die einzelnen Punkte.

      Dock:
      Ja, Links oder Rechts hatte ich es kurz, dort nervte es mich aber recht schnell. Mit dem ausgeblendetem Dock kann ich momentan recht gut leben.

      Tabs:
      Geld möchte (bzw kann) ich im Moment leider gar keins ausgeben. Den mucommander werde ich mir mal ansehen – auch wenn ich den Finder mittlerweile _gar nicht_ so schlecht finde (Auch wenn mich einige Eigenheiten nerven, fehlendes Ausschneiden von Dateien oder so – das heißt ich muss es über Drag&Drop lösen, was die Fenstermasse noch erhöht)

      Fenstermanagement:
      Ja, CMD+TAB kenne ich, und auch Witch kenne ich und habe es installiert, CTRL+F4 kannte ich bislang nicht, danke auch hierfür. Befehlstaste + ` scheint es hier nicht zu tun, aber ich schaue mal, wie ich das ändere. CMD+§ tut hier ebenso nichts… aber wie gesagt, ich werde mal gucken.

      Umstellungsphase:
      Ja, genau in der Phase bin ich noch, auch wenn sie abnimmt – im Moment mache nutze ich zu 99% OS X und nutze es für relativ wenige Aufgaben (Musik, Internet, Filme, Bildbearbeitung mit GIMP) und damit komme ich momentan auch gut zurecht.

      Um mich mit der Kommandozeile zu beschäftigen fehlte mir bislang der Antrieb, aber ich werde mal schauen und auch die Links durchstöbern. Die einzige X11-Anwendung, die ich momentan nutze, ist wie gesagt GIMP. Dort finde ich es gewöhnungsbedürftig, dass die Modifikatortaste für Tastenkürzel nicht CMD, sondern CTRL ist.

      Ja, ich habe ja auch schon ein paar nette Programme entdeckt, für die ich unter Windows keine Entsprechung finde (DeTune, um Musik vom iTouch zurückzuspielen, oder Mediathek.app). Und ich weiß, dass es unter Windows viele Programme, aber auch viel Schrott gibt, nur ist es halt so, dass ich wenig Geld habe, und viele nette Programme, die nette Funktionen haben, die es vielleicht so unter Windows kostenlos auch gibt (oder eben nicht) eben nicht kostenlos sind, auch wenn sie recht trivial sind.

      Versionsabhängigkeit:
      Ja, ich kenne das ja auch, dass bestimmte Windows-Anwendungen ein Service-Pack voraussetzen, nur ist es halt mit SP2 getan, und nicht mit SP2.5.schießmichtot.
      Und ja, dass das System zerschossen war, glaube ich ja gerne – nur ist mir eben dies unter Windows schon sehr lange nicht mehr passiert und – obwohl man diesen Satz oft von “Leuten, die sich auskennen” hört – ich bin mir nicht bewusst, etwas getan zu haben, was das verursacht haben könnte. Der Rechner wurde lange nicht neu gebootet (Was ich unter Windows so nicht kenne bzw ich nutzte den Sleepmode unter Windows nicht so oft wie unter OS X, wohl auch weil der Akku meines alten Laptops dafür nicht mehr verlässlich genug war), aber ich hatte in der Zeit, in der er vorher lief, nicht wirklich neue Programme installiert.
      Kann man sich eigentlich eine OS-X-DVD slipstreamen, also die Updates auf Version 10.6.6. integrieren? Sonst habe ich beim nächstem Systemzerschuss wieder das Problem, erst mehr als 1 GB an Updates ziehen zu müssen. Wenn man keinen eigenen Internetanschluss hat, ist das unpraktisch ;)

      Ja, das kann ich verstehen. Bei meinem Mac war ja auch nicht 10.6, sondern 10.6.3 mitgeliefert.
      Wobei ich es auch unter Windows nie hatte, dass ein Update irgendwelche Probleme verursachte.

      ‘Even Numbers’:

      Der Updatezyklus unter Windows ist langsamer, auch wenn ich selber mit ‘Even numbers’ nie Probleme hatte.

      Kleinkram:

      Ja, die Sache mit dem “Maximieren” fand ich auch so ziemlich am störendsten, auch wenn ich mich mittlerweile dran gewöhnte – zumal Firefox den +-Button auch als Maximierenbutton zu interpretieren scheint. Die Mac-101-Seite schaue ich mir mal an, vielen Dank auch hierfür.

      Mittlerweile werde ich mit dem Mac wärmer, auch wenn es für mich nach wie vor schlicht einfach nur ein anderes Betriebssystem ist, mit Stärken und Schwächen, ausgereizt sehr mächtig, aber nicht in allen Punkten sehr viel besser als Windows.

      (Du scheinst es ja auch nicht sooo viel anders zu sehen, was mir sympathisch ist – viele Mac-user, die ich kenne, scheinen Scheuklappen zu haben und Windows per se scheiße zu finden)

  5. FreXxX says:

    Ist das denn echt ne Abnutzungserscheinung der Tastatur, oder nur Schmutz? Hat mein Firmen-Mac auch, obwohl ich die eingebaute Tastatur nur n paar Tage benutzt habe, und denke, es ist einfach Schmutz. Mach ich aber nicht sauber, wozu auch? ;)

    • Jeric says:

      Nein, in dem Fall sind das echt Abnutzungserscheinungen, die auch beim Putzen nicht weg gehen. Aber man gewöhnt sich dran. Ist ja schließlich auch ein Arbeitsgerät.

  6. gott says:

    Du hast verkackt, Junge! Apple beleidigen = Kein Himmel!

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